Eine Praktikumsreise nach Robertsfors in Schweden

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Der Kindergarten heißt in Schweden Vorschule. Wir hatten die Möglichkeit, eine solche Vorschule in der schwedischen Gemeinde Robertsfors nördlich von Stockholm zu besuchen. Ermöglicht wurde diese Reise durch eine Förderung des Leonardo da Vinci EU-Programmes.

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Voller Freude, Spannung und Neugier kamen wir an unserem Zielort an und wurden herzlich von Lillemor Anderson, der Leiterin der Vorschulen und der Grundschule in der Kommune Robertsfors empfangen. Zwei Einrichtungen öffneten für uns 14 Tage lang ihre Türen. Zu zweit durften wir abwechselnd hospitieren und arbeiten. Hier lernten wir einen Kindergartenalltag kennen, von dem unsere Einrichtungen in Leipzig manchmal träumen. Dabei denken wir vorrangig an die wirklich günstigen Personalschlüssel. 15 Kinder unter drei Jahren bzw. 20 Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt werden von drei schweden kidspädagogischen Fachkräften betreut. In den Gruppen herrscht eine ruhige und ausgeglichene Atmosphäre. In der pädagogischen Arbeit konnte ich einige Parallelen zur Arbeit in deutschen Kindergärten finden. In Deutschland gibt es den Bildungsplan, in Schweden gibt es seit August 1998 einen eigenen Lehrplan für die Vorschule, in welchem Ziele und Qualitätskriterien definiert sind. Das Land Schweden legt die Gesamtziele und Richtlinien für die Vorschule fest. Jede einzelne Kommune ist für deren Umsetzung verantwortlich. Inhalte des Lehrplanes sind z.B. gesellschaftliche Werte, Solidarität, Toleranz, Gleichstellung u.ä. Wie in Deutschland wird auch in Schweden über diese Dinge hinaus besonderer Wert auf den individuellen Lern- und Entwicklungsprozess der Kinder gelegt. Ergebnisse und Beobachtungen werden in Entwicklungsmappen dokumentiert. Unsere schwedischen Kollegen legen sehr großen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern durch regelmäßige Entwicklungsgespräche, Elternnachmittage und -abende. Grundlage dieser soliden Arbeit ist für die schwedischen Erzieherinnen und Erzieher in der Regel eine 40-Stunden-Arbeitswoche. 37 Stunden davon entfallen auf die direkte Arbeit mit dem Kind, drei Stunden können für Meetings, Vorbereitungen und Bastelarbeiten genutzt werden.
Unsere Freizeit haben wir bei Wanderungen mit einem Jäger durch den Wald, Lagerfeuer, Stadtbummel oder bei abendlichen Treffen und Feiern mit unseren schwedischen Kolleginnen und Kollegen genießen können. Sehr angenehm aufgefallen ist uns, mit welch großem Interesse, welcher Offenheit und Herzlichkeit die schwedischen Kollegen uns begegnet sind. Trotz unserer Begeisterung für Schweden sind wir gern wieder zurück nach Leipzig gefahren, mit vielen Anregungen im Gepäck, von denen hoffentlich einige auch in Leipzig umgesetzt werden können. Allen Kolleginnen und Kollegen wünschen wir im Lauf ihres Berufslebens ähnlich bereichernde Möglichkeiten und Erfahrungen.
Franziska Kratz, Erzieherin in der Kindertagesstätte Thünenstraße (Text)
Andrea Hähn, Erzieherin in der Kindertagesstätte Mottelerstaße
Susanne Lose, Familientherapeutin im Ambulanten Team/ Projekt Familienbildung
Roger Friedling, Sozialarbeiter und Leiter der Kindertagesstätten Erich-Zeigner-Allee