Finnlandabenteuer

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Was ist wenn Kinderbeine entspannt in Wollsocken unter Tischen baumeln, Pädagogik kindzentriert ist und nicht nur so heißt, Pilze handtellergroß aus bemoostem Waldboden sprießen und Wasaknäckebrot mit gesalzener Butter und Milch täglich als Stärkung dienen? Nein dann befinden wir uns nicht in einem Film über „Michel aus Lönneberga“, sondern im richtigen wahren Leben, in Jakobstad Finnland, einem kleinen finnischen Ort gleich an der schwedischen Grenze. Genau dort durften zwei FAIRbund-Mitarbeiterinnen und zwei Erzieherinnen des Humanitas e. V. im September diesen Jahres eine zweiwöchige Bildungsreise verbringen. Unser Auftrag war herauszufinden, wie Kindergarten und frühkindliche Bildung in Finnland funktionieren. Herausgefunden haben wir eine ganze Menge: vor allem, dass alles hier seine Zeit hat und zwar genau die, die es braucht.

 
Rituale, Sagen, Geschichten und Mythen bestimmen den kindlichen Alltag. Wenn man in Finnland mit Kindern einen Waldgang macht, geht man nicht etwa nur in den Wald – nein … man besucht die Heimat von Mulle, einem kleinen Waldtroll, besucht seine Höhle und findet jedes Mal nicht ihn selbst, aber unzählige Spuren, die seine Existenz beweisen. Natur- und Umwelterziehung wird großgeschrieben und nicht nur gelehrt, sondern gelebt. Schlechtes Wetter gibt es nicht und es ist wahrlich eine Selbstverständlichkeit selbst bei strömendem Regen den „Waldtag“ anzutreten. Die Kinder genießen ein sehr hohes Vertrauen in ihre Fähigkeiten und Konfliktlösekompetenzen. Und zugegebenermaßen hätte von uns so mancher rote Panikflecken bekommen, wenn die Kinder so im Wald ausschwärmen würden wie in Finnland.

 
Pädagogische Angebote werden „entzerrt“ und die finnischen Erzieher verteilen das Malen auf der Leinwand zum Beispiel auf zwei Wochen, bis eben jeder, der möchte, einmal dran war. Und diese entspannte Haltung überträgt sich wohl auch auf die Kinder. Es sind meiner Meinung nach nicht nur die sehr guten Bedingungen in Finnland (ob räumlich oder personell) – es ist vor allem eine gewisse Haltung und Einstellung des pädagogischen Personals, die Mitarbeiter wie Kinder entspannt und ausgeglichen wirken lässt.
Viele Ideen konnten wir in Bezug auf den Alltag und auch auf die Vorschulerziehung mitnehmen. Morgenkreise wurden eingeführt und auch der ein oder andere stärkere Regen in Leipzig hindert uns nicht mehr daran, mit den Kindern nach draußen zu gehen. Definitiv hat uns der Aufenthalt in Finnland alle sehr bereichert – beruflich wie persönlich. Wir sind dabei alle ein Stück über uns hinausgewachsen, sei es im Bewältigen sprachlicher Hürden oder auch nur beim Eintauchen in den 5 Grad kalten See nach einer zünftigen finnischen Sauna. Danke für diese Erfahrung und besonderer Dank an die Koordinatorin in Finnland und das Personal, das uns mit offenen Armen empfing.

 
Übrigens sind sich die Finnen bei einem ganz sicher: der Weihnachtsmann stammt aus Lappland – und zwar selbstverständlich aus dem finnischen Teil.

Mandy Raabe Dipl. Sozialpäd. Kindertagesstätte Thünenstraße