Fünf angehende Heilerziehungspfleger/innen in Südtirol/Italien

Voller Elan packten wir am 10.09.2011 unsere Koffer ins Auto. Nach einer sechseinhalbstündigen Fahrt kamen wir in Kurtatsch (Südtirol) an. Dort begaben wir uns gleich auf die Suche nach unserer ersten Übernachtungsmöglichkeit, die auf dem Fennberg lag. Nach eineinhalb Stunden Serpentinen-fahrt kamen wir endlich an.

Nachdem wir unsere Koffer auf die Zimmer gebracht haben, stärkten wir uns mit gutem Essen und hatten danach die Gelegenheit, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Nach einer angenehmen Nacht und einem ausgedehnten Frühstück, machten wir uns auf die Suche nach Entiklar, wo unsere Ferienwohnung mit Pool auf uns wartete. Auf qualmenden Bremsscheiben ging es zurück ins Tal zu unserer Ferienwohnung und dort testeten wir auch gleich unseren Pool.

An unserem ersten Arbeitstag gingen Theresa Buff, Sandro Sternhagen und Daniela Mettke nach Kurtatsch ins Sozialzentrum, Eva Strobel und Mirjam Junglas fuhren mit dem Bus nach Salurn in den Ansitz Gelmini. Nachdem jeder in seine Gruppe eingeteilt worden ist, wurden wir mit offenen Armen begrüßt und ins Gruppengeschehen integriert.

Während der drei Wochen bewältigten wir die unterschiedlichsten Aufgaben in den verschiedenen Gruppen:

Sandro Sternhagen war in Kurtatsch in der Hausgruppe, die für den hauswirtschaftlichen und gastronomischen Bereich im Haus zuständig war. Diese Gruppe führte eine kleine Bar, in welcher verschiedene Getränke, Kaffeespezialitäten und diverse Leckereien angeboten wurden. Ein Teil der Gruppe fuhr fast jeden Tag in die Gemeinde hinaus und reinigte verschiedene öffentliche Einrichtungen, wie ein Kulturzentrum oder die Schule. Der andere Teil der Gruppe kümmerte sich um den Speisesaal. Dort wurden z. B. die Tische mit weißen Tischdecken und Servietten eingedeckt, im hauswirtschaftlichen Bereich wurde die Wäsche gewaschen, gemangelt und gelegt sowie in den verschiedensten Bereichen ausgeteilt.

Theresa Buff arbeitete in der Holzgruppe, die Feuerteufel (Feueranzünder), Insektenhäuser und Kisten aus Holz hergestellt hat. In dieser Gruppe wurden die einzelnen Aufgaben so verteilt, dass Jeder nach seinen Fähigkeiten kleine Aufgaben bewältigen konnte. Diese trugen wiederum zu einem fertigen Endprodukt teil.

Daniela Mettke war in der Naturgruppe, hier wird besonders auf die Integration in das soziale Umfeld geachtet. Die Gruppe arbeitet täglich mit den Gemeindearbeitern der umliegenden Gemeinden zusammen und übernimmt die Sauberhaltung und Pflege von Spielplätzen, Parks und Schulhöfen sowie von Dorfplätzen und Tiefgaragen. Am Nachmittag reinigt und pflegt die Gruppe den Außenbereich des Sozialzentrums.

Mirjam Junglas arbeitete in der Webereigruppe in Salurn, hier werden vor allem die altbewährten “Fleckerlteppiche” hergestellt. Der Umgang mit verschiedenen Materialien und Farben ermöglicht Kreativität, um Teppiche nach ganz persönlichen Kundenwünschen herzustellen. Es werden außerdem Stickarbeiten ausgeführt, Stofftaschen und Schürzen genäht, mittels Patchwork-Technik hergestellte Stoffe werden zu Polsterbezügen, Bettdecken und Wandteppichen verarbeitet. Interessant ist das Angebot, persönlich den eigenen Teppich in der Weberei zu weben.

Eva Strobel war in der Papiergruppe in Salurn, diese Arbeitsgruppe widmet sich insbesondere der Herstellung und der kreativen Verarbeitung von Recycling-Papier. Jedes Gruppenmitglied bringt seinen Ideenreichtum, wenn notwendig mit Unterstützung eines Begleiters, ein und gestaltet nach eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten Glückwunschkarten, Geschenkpapier, Fotoalben, kleine Schachteln, Papiertaschen und verschiedene weitere Gegenstände. Die Gruppe veranstaltet bei Nachfrage Kurse zum Erlernen der angewandten Technik des „Papierschöpfens“.

In unserer Freizeit waren wir viel unterwegs und haben einiges gesehen. Z. B. die Städte Bozen, Verona und Trentino. Außerdem erkundeten wir die umliegenden Orte, wie Neumarkt, Margraid, Salurn, Kurtatsch, Entiklar, Cortina und Kaltern. Des weiteren, waren wir am Kalterer – und am Gardasee. Wir hatten darüber hinaus die Gelegenheit, mit unseren Kollegen näher ins Gespräch zu kommen. Einmal waren wir bei einer Mitarbeiterin zu Hause zum Kaffeetrinken eingeladen oder wir trafen uns mit allen Mitarbeitern zum gemeinsamen Pizzaessen. In unseren Gesprächen konnten wir uns über fachliche und kulturelle Themen austauschen. Die Einheimischen waren sehr gastfreundlich und offen im Umgang mit uns.

Während unseres Aufenthaltes hatten wir jeden Tag sonnige 28°C, so dass wir den Anblick der Weinberge genießen konnten. Trotz Arbeit kam so auch ein gewisses Urlaubsfeeling auf.

In den drei Wochen haben wir viel fachlichen Input erhalten, der uns in der weiteren Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung von großem Nutzen sein wird. Es wurde nach der SIVUS – Methode gearbeitet, d. h. es wurde z. B. die Selbstbestimmung der Menschen mit geistiger Behinderung in den Vordergrund gestellt. Daraus resultierte eine hohe Selbstzufriedenheit und Motivation der dort arbeitenden und betreuten Menschen. Es wurde integrativ gearbeitet, die Betreuten besuchten öffentliche Schulen und zeigten die Methoden ihres Handwerkes (z. B. Papierschöpfen und Tonen).

Wir durften Menschen mit geistiger Behinderung kennen lernen, die allesamt sehr interessante und individuelle Persönlichkeiten waren.

An dieser Stelle, möchten wir uns recht herzlich bei FAIRbund für die Vermittlung über das Leonardo da Vinci-Projekt, beim Sozialzentrum Kurtatsch und dem Ansitz Gelmini sowie unserem Projektbegleiter und hochgeschätztem Fachlehrer für Praxis- und Methodenlehre Uwe Mäding bedanken 😉 !

Die angehenden Heilerziehungspfleger