Südengland ist auch im Regen schön

10149396_10202653665057062_1504947793_n
Zwar hat mir jeder meiner Arbeitskollegen bei der Lokalzeitung Mid-Devon Advertiser versichert, dass es nur noch diese Woche regnet und dann würde sich alles ändern, aber das passierte trotz Frühling nie. Ja in England regnet es wirklich sehr oft. Das hat aber zur Folge, dass im Südwesten, meinem Einsatzort der (sogenannten) englischen Riviera alles wunderbar grün ist. Und wenn es nicht gerade stürmt, also doch mal die Sonne scheint, lohnt es sich wirklich jeden Winkel Devons, so der Name der Region, zu erkunden. Die kostenlosen Bus-Tickets, die zur Verfügung gestellt werden, sind dazu dermaßen hilfreich, dass man andere Verkehrsmittel eigentlich nicht nutzen muss. Kann man aber. Zum Beispiel die Fähren, die zwischen den einzelnen Städten der Region Torbay kreuzen, wobei es sich um eine große Meeresbucht handelt. Teilweise bezahlt man für eine halbstündige Überfahrt etwas über einen Euro. Wenn man etwas mehr Taschengeld übrig hat, steigt man in eine der wunderbaren Zuglinien, die entlang der Küste verkehren.

Da das ganze Gebiet eine Touristenregion ist, mangelt es nicht an Ausgehmöglichkeiten. Dabei sollte man sich jedoch daran gewöhnen, dass die Bordsteine in bestimmten Städten recht früh nach oben geklappt werden und viele Briten deswegen schon früh sehr angeheitert sind. Befindet man sich im richtigen Pub, was wirklich nicht schwer ist, da es von diesen typisch britischen Socializern wirklich sehr viele gibt, kommt man leicht ins Gespräch.

Und da war da ja noch die Arbeit. Beim Lokalblatt Mid-Devon Advertiser hat man sich gut um mich gekümmert. Wenn ich eine Frage hatte, konnte ich jeden jederzeit fragen. Auch wurde ich zu ein paar externen Presse-Terminen mitgenommen und mir wurde sogar eine Pressereise nach Polen ermöglicht. An manchen Tagen gab es nicht sehr viel zu tun, aber es liegt in einer Redaktion letztendlich an einem selbst, sich Geschichten zu suchen. Sicher war sehr hilfreich, dass ich selbstständig in Englisch schreiben konnte und meine Artikel von Kollegen nur korrigiert werden mussten. Auch konnte ich Bands, Lokal-Ikonen etc. selbst interviewen. Eigene Ideen wurden nie von der sehr netten Chefredakteurin abgeblockt. Eher war diese sehr motivierend, wenn es darum ging, eigene Sachen zu machen.

Mein Job war ein klassischer 9-5 Job. Die Hierarchien in einer Redaktion sind aber von Natur aus eher flach. Deswegen war es unproblematisch, dass ich (aufgrund meines Arbeits-Weges) in der Regel eine halbe Stunde später gekommen bin. Auch konnte ich hin und wieder eher verschwinden, was ich zur Recherche oder zum weiteren Erkunden der Städte, Dörfer und der fantastischen Landschaft genutzt habe. An Orten wie Teignmouth gibt es einfach solche Dimensionen, dass man manchmal zweimal hingucken muss, wenn man an einer Klippe oder vor einem Hügelland steht. Man sollte die Zeit neben der Arbeit wirklich nicht mit Stubenhocken vergeuden. Neben den größeren Städten der Region wie Plymouth oder Exeter gibt es vor allem in den kleinen Ortschaften und Dörfern um jede Ecke Neues zu entdecken.

Die Reise nach Devon hat sich definitiv gelohnt. Und ich werde die Region sicher wieder besuchen, auch weil ich ein paar sehr nette Menschen zwischen Englands sonnengrünen Hügeln, tiefblauen Küstenstreifen und schummrigen Pubs kennengelernt habe. Regen hin oder her.

John Sauter
10149846_10202653665457072_1064486392_n